Sunday, June 15. 2008Das Grauen im Meisenkasten
Begonnen hat das Drama am 29. Mai mit einem kleinen Sperling. Als ich abends auf den Parkplatz fuhr, hüpfte er dort herum. "Wer bist du denn?" Ich näherte mich, er hatte schon Angst vor Menschen, was ich für sein späteres Leben (ha ha!) als positiv empfand. Aber er konnte nicht fliegen, nur flattern, und der Ort war irgendwie ungünstig ... Also zu Hause (vielleicht 500 Meter, aber man weiß ja nie ...) angerufen und Kamera sowie sportlichen Mann geordert. Der Plan: Erst einmalige Fotos vom Küken machen, dann das Küken einfangen und weit oben in einen Baum setzen, damit es nicht überfahren wird.
Der kleine Sperling tschilpte eifrig, er wurde aber nicht gefüttert. Im Gebüsch ringsum befanden sich jedoch viele erwachsene Sperlinge - die helfen auch aus und füttern mal das hungrige Baby anderer Eltern. Demnach war nur der Parkplatz das Problem ... Nach ein paar Fotos gelang es uns leider nicht, das Küken einzufangen, es wehrte sich einfach zu stark und man will ja niemandem wehtun. Es versteckte sich dann auch im Gebüsch und ich hoffte, dass es dort auch bleiben würde. Ich sagte aber etwas anderes und zog damit den ultimativen Kükenfluch auf mich, der das ganze Wochenende über wirken sollte. Ich sagte: "MORGEN IST DER SOWIESO TOT." Am nächsten Morgen lag er da - tot. Überfahren oder zertreten, ich weiß es nicht. Mausetot. Er wird nie fliegen, nie baden, nie selbstständig Futter finden, nie Kinder haben. TOT. Und ich hätte was machen können. Buhuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuu ... ![]() Das Unglück nahm am darauf folgenden Samstag seinen Lauf. Irgendwann wurde das Geschrei im Kohlmeisenkasten immer einstimmiger. Und seltsam, es kam auch gar kein Elterntier mehr zum Füttern. Wir warteten und warteten. Manchmal rief das Nesthäkchen aus dem Kasten, erwachsene Kohlmeisen sah man nie. Komisch, im letzten Jahr hatten sie sich doch um das zurückgebliebene Küken gekümmert, das drei Tage später dann auch ausflog ... Gegen 21 Uhr entschlossen wir uns, in den Kasten zu gucken. Leider ist der Kasten sehr hoch angebracht, mit einer Trittleiter und Taschenlampe bewaffnet konnten wir gerade mal hineinlinsen. Da war noch ein Küken übrig, und das lebte. Es roch komisch in dem Kasten, irgendwie süßlich (und was riecht noch einmal süßlich, haben wire das nicht schon 1.000-mal von Leuten und im TV gehört?!), aber ich hatte nie zuvor Leichengeruch gerochen und dachte, es läge vielleicht an der Hitze, den Hundehaaren und den zusammengepferchten Küken im Nest (ha ha!). Ich nahm das lebende Küken heraus, es war noch recht klein, aber aktiv, und guckte mich mit einem stecknadelkopfgroßen schwarzen Auge an. Wir fingen ein paar Insekten für das Küken und fütterten es - in der Hoffnung, dass wir nur nicht richtig aufgepasst hatten und die Eltern sich noch kümmerten, am nächsten Morgen könnte man dann ja aktiv werden (ha ha!). Also setzte ich es zurück in den Kasten und sage: "MORGEN IST ES SOWIESO TOT." Am 1. Juni morgens herrschte Grabesstille aus Richtung Kohlmeisenkasten. Ich öffnete ihn, das Küken war tot. Beim Entfernen des Nestes sah ich zu meinem Entsetzen, dass da noch ein totes Küken drin war - das hatte auch den Leichengeruch erzeugt. Ich hatte dieses einsame, kleine, zurückgelassene Wesen auf sein totes Geschwisterchen gesetzt und es dort eine ganze Nacht verbringen lassen!!! Ich habe keine Ahnung, wie ich diese Schuld loswerden oder das je wieder gutmachen kann. Ich habe die Kästen angebracht, ich trage also Mitverantwortung ... Zur Krönung kam nach etwa 30 Stunden Abwesenheit dann noch die Kohlmeisenmutter zurück auf den Balkon und gab die merkwürdigsten Geräusche von sich. Wir stellten ihr den offenen Nistkasten an die bisherige Position, sie flog hinein und zirpte und rief. Über sie hab ich mich dann auch noch geärgert, denn sie hätte sich ja vorher kümmern können ... Und es war noch immer nicht genug. Denn es gab ja noch den Blaumeisenkasten. Auch dort erschallten nicht mehr so viele Stimmchen wie am Anfang. Das lag wohl hauptsächlich daran, dass der Meisenmann scheinbar verunglückt war und die Fütterung nur noch dem abgemagerten, zerzausten Weibchen oblag - und die tat wirklich, was sie konnte. Was natürlich nicht reichte. Seit dem 31. Juni spitzte ein Blaumeisenküken aus dem Einflugloch. Es fiel auch mal raus und wir setzten es zurück. Im Kasten saßen drei lebende Küken. ![]() The winner takes it all ... Am 2. Juni morgens war eines der Küken tot. Ich nahm die beiden anderen heraus, eines davon hatte ein verschlossenes Auge und war recht apathisch, und entfernte den Leichnam. Ich setzte die beiden zurück ("Das eine ist sowieso bald tot"), eine Stunde später war das einäugige Küken tot. Ich öffnete den Kasten, mir strotzte ein hochgerecktes, steifes Beinchen entgegen, das andere Küken saß ganz verstört da und hatte dem toten Geschwisterchen den Rücken zugewandt - wie im Horrorfilm!! ![]() Der/die einzige Überlebende - Blaumeisen legen meist um die zehn Eier, Einzelkinder quasi ausgeschlossen Ich fand noch ein totes Küken, das in das Nest quasi eingearbeitet worden war, und hatte somit drei Leichen - gaaaaaaaaaaaah!! - und nur noch ein lebendes Küken. Scheinbar war es das einzige gewesen, das es zum Einflugloch geschafft und das ganze Essen abgegriffen hatte, die Single-Mutter konnte scheinbar nicht genug Futter für vier Küken herbeischaffen und alle - bis auf das Stärkste - verhungerten allmählich. Das Küken, das sich am Ende durchgesetzt hatte, war auch relativ kräftig, quietschte vor sich hin und verließ immer wieder den Kasten, egal, ob es nun fliegen konnte oder nicht. Bei näherem Hinsehen wurde auch klar warum - im Kasten wuselte es nur so vor Ungeziefer und Maden. Es hing also auf dem Balkon herum und wurde beständig von Muttern gefüttert. Diese sprang immer wie wahnsinnig um das Küken herum und wollte es zum Fliegen und Mitkommen anregen. Es war klar: Dieses Küken muss leben! Ich nahm es immer wieder auf den Finger und es spreizte die Flügel und bewegte sie - und plötzlich flog es auf und davon ins Gebüsch. Sehr gut! ![]() Es hatte natürlich eine Bruchlandung vollführt, wir setzten es weiter oben an eine sichere Stelle im Gebüsch. Muttern trug weiter Futter herbei. Vom Verhalten des Kükens alles kein Vergleich zum Letzten Jahr, als die Ausgeflogenen sogleich superaktiv durchs Geäst turnten. Dieses Küken blieb einfach an einer Stelle sitzen, zwar mit großen Lebenswillen, jedoch recht apathisch und schwächlich wirkend, vor allem, wenn man den Vergleich bedenkt ... ![]() Schnell erschöpft und generell nicht das blühende Leben - aber er/sie gibt nicht auf Als besondere Bedrohung empfand ich darum auch die kommende Nacht. Ich konnte mich jedoch nicht dazu durchringen, das Küken seiner Mutter zu entreißen, aufzupäppeln und zu einem Käfigvogel zu machen (Auswilderung bei Einzelvögeln sehr schwierig). Es hatte aufgrund seines Mutes und Lebenswillen ja immerhin Chancen, die Nacht lebend zu überstehen, und es hatte seine Mutter. Und falls es nicht überleben sollte, so war es doch zum ersten Mal geflogen, hatte zum ersten Mal im Gebüsch gesessen, hatte zum ersten Mal in die Sonne geblinzelt ... Also ließen wir es zurück, es saß sicher versteckt in einer Astgabel, den Kopf schon zum Schlafen unter dem Flügel ... ![]() Die ersten Sonnenstrahlen spüren ![]() Auch Muttern gibt nicht auf und füttert weiter Am nächsten Morgen war kein Küken zu hören. Ewig lange nicht. Ich hatte schon damit abgeschlossen ("Es ist sowieso tot ..."), war schon total abgestumpft, da hörte ich es plötzlich. Stürzte nach draußen - und da war es: Hoch im Baum und es wurde gefüttert! Seine einzigartige Stimme war auch in den nächsten Tagen zu hören. Sollte es inzwischen gestorben/gefressen worden sein, dann hatte es immerhin das Abenteuer seines Lebens, mit seiner Mutter an seiner Seite. Aber vielleicht hat es es ja auch geschafft und wird sogar ein paar Jahre alt und nächstes Jahr eigene Küken haben. You never know ... Fazit: Woran es lag und wie es zu diesem Massensterben kommen konnte (Wetter, Gifte, ...), werde ich wohl nie erfahren. Gewiss ist nur: Nächstes Jahr wird alles anders! Denn ich werde mir die komplette Ausrüstung mit Nistkastenkamera, meisenverträglichen Insekten, Wärmelampe, Käfig (auch, falls die Eltern sich noch kümmern, so können sie das Futter gleichmäßiger verteilen und es verdrängt nicht immer das stärkste Küken am Einflugloch die schwächeren) etc. besorgen und "Problem"-Küken ggf. selbst aufziehen. So etwas wie dieses Jahr möchte ich vogeltechnisch nicht noch einmal erleben. Nie wieder! So. Wednesday, May 21. 2008Amsel-und-Meisen-Update
Da es ja mit der ersten Brut der Amseln nicht geklappt hat, versuchen sie es verzweifelt weiter. So auch am letzten Wochenende. Das Weibchen hockte plötzlich wieder auf dem Nest und brütete, was das Zeug hielt. Das Männchen saß weit oben im Baum und sang sein Lied von drei türkisfarbenen Eiern in einem gut versteckten Nest. Doch leider hat es wieder nicht geklappt. Wie wir vorgestern feststellen mussten, war das Nest wohl ausgeräubert worden - zumindest fast. Es lag jedenfalls nur noch ein Ei darin. Da sich Amseln nicht bemüßigt fühlen, ein einzelnes Ei weiter auszubrüten, hatte das Weibchen das Nest auch schon lang vor unserer Entdeckung verlassen. Schade!
Dafür piept es aus den Meisenkästen. Ich bin gespannt, wann das erste Blaumeisenküken aus dem Einflugloch spitzt, um seine Umgebung zu erkunden! Alles stirbt - nur der Mensch (noch) nicht
Zurzeit findet in Bonn eine UN-Konferenz zum Thema Naturschutz/Biodiversität statt. Sehr gut! Weniger gut sind die berichteten Zahlen: 26.000 Tier- und Pflanzenarten sterben PRO JAHR AUS - ich wiederhole AUS. Für immer weg, tot, unwiederbringlich verloren. Puh!
Quelle: http://www.dw-world.de/dw/article/0,,3341334,00.html?maca=de-kalenderblatt_topthema_deutsch-346-rdf Friday, May 16. 2008Elstern vs. Krähen
Über die Benzinpreise will ich nicht schreiben, es gibt Spannenderes!
Beispielsweise vorgestern wurde ich Zeuge eines wüsten Kampfes: Hoch in einer Birke gibt es eine Art Gestrüpp, man sagt auch, es handle sich um ein Elsternest. Ich kam gerade nach Hause, da erscholl wildes Gekreische, aber eher so ein jammerndes, klagendes. Zu diesen Lauten gesellte sich aufgeregtes Krähen-Gekrächze. Ich blickte nach oben und konnte beobachten, wie sich vier Elstern und drei Krähen einen erbitterten Kampf lieferten. Ob die Elstern dieses Nest benutzen und darin brüten und ob die eventuelle Brut bei dem Krähenangriff zu Schaden akm, weiß ich nicht. Jedenfalls war es ein beeindruckendes Spektakel. Eine Elster wurde mehrfach heftig attackiert und stürzte sogar einige Meter innerhalb des Baumes ab, ehe sie sich fangen konnte! Und dann dieses wimmernde Geschrei ... Ich kann auch nicht sagen, wer sich am Ende durchsetzte, denn plötzlich flogen zwei Elstern zusammen mit den Krähen ab, kurz darauf zwei weitere Elstern. Wahrscheinlich war es das dann mit der Elstern-Brut. Und dabei sind gerade die Elstern so verschrien. Ich wusste gar nicht, dass sie so viele Bruten an Räuber verlieren: "Etwa die Hälfte aller Bruten ist erfolglos, da das Nest von Krähen, Habichten, Katzen oder Mardern geplündert wird." (Quelle: http://209.85.135.104/search?q=cache:x1SfPwk4UY4J:de.wikipedia.org/wiki/Elster+elstern+und+kr%C3%A4hen&hl=de&ct=clnk&cd=1&gl=de&client=firefox-a) So konnte ich einen 1-A-Fight zwischen den Intelligenzbestien und quasi Atommächten der Vogelwelt, sozusagen USA gegen Russland, beobachten! Friday, May 9. 2008Maikäfer, flieg ...
Yippieh! Habe soeben den ersten lebenden Maikäfer meines Lebens gesehen. Ich dachte zuerst, es wäre eine Kakerlake, weil er auf dem Rücken lag und zappelte (eben so wie die erste lebende Kakerlake meines Lebens, die ich in Florida sah
![]() Weil ich nachts keine Cam dabeihabe, hier ein Creative-Commons-Foto von Flickr. Copyright: Marek Joschko, Quelle: http://www.flickr.com/photos/marekjoschko/481635286/ Tuesday, May 6. 2008Meisen als Hausbesetzer und Sperlinge als Einbrecher
Im Winter und auch noch an kalten Tagen im Frühjahr verwöhne ich "meine" Vögel mit Leckerbissen, die sie mögen. Meisen lieben Erdnüsse und Sonnenblumenkerne, Amseln Rosinen. Jetzt, da es endlich wärmer ist und die Eltern selbst nach Futter für sich und ihre Küken suchen sollen (es gibt nur wenig richtiges Futter für Küken und ganz viel falsches), hab ich alles weggepackt, aber scheinbar nicht genug. Denn Herr Sperling (Haussperling), der auch weiß, wo die Rosinen immer lagen, und der diese auch sehr schätzt, hat wohl beschlossen, dem plötzlichen Versiegen der Rosinenquelle auf den Grund zu gehen. Die Balkontür steht einen Spalt offen und neugierig und tapfer wie er ist, hüpft er hinein ... findet ein heruntergefallenes Rosinchen ... einen vergessenen Sonnenblumenkern ... und beim Kondor: Da ist ja noch viel mehr!
Seit einigen Stunden dulde ich den kleinen Einbrecher und Räuber, wenn ich gucke, flüchtet er schnell nach draußen, tut so, als ob nichts wäre, und wartet ... minutenlang ... bis ich vielleicht aufstehe ... trinkt einen Schluck ... wartet ... und wartet ... Und im Blaumeisenhaus scheint endlich gebrütet zu werden. Durch eine Ritze im Dreieckshaus kann man im Gegenlicht hin und wieder einen Schatten zappeln sehen - eindeutig die kleine Henriette. Ich bin gespannt, wann dort das erste Hungergeschrei erschallt. Was bei den Kohlmeisen abgeht, ist mir nicht ganz klar. Einmal bilde ich mir ein, schon Küken aus dem Nistkasten fiepen zu hören, dann wiederum tauchen drei Kohlmeisen friedlich vereint auf dem Balkon auf - ??? Passt alles nicht zusammen. Egal, ich tue es dem Herrn Sperling gleich - und warte. Encounter mit Lass-mich-vorbei-Amsel
Wenn man das Sprichwort "der Klügere gibt nach" für bare Münze nimmt, dann sind Amseln dumm. So gern ich sie auch mag. Ich beobachte gern, wie sie auf dem Boden aufstampfen, immer auf der Jagd nach dem Regenwurm, ich mag ihren Gesang, den ich für recht unmelodisch und immer ein bisschen neben den gewollten Tönen halte, einfach, weil sie ihn dennoch vortragen, und ich sehe ihnen gern bei einem ekstatischen Bad im Vogelplanschbecken zu. Ich bewundere ihren Mut, wie sie Elstern und Katzen angreifen, nicht nur mit "Worten", sondern auch physisch, dass sie immer wieder ein neues Nest bauen, auch wenn das alte ausgeräubert wurde und wie der Vater seine schon pubertierenden Kids immer noch mit Frühstück versorgt. Ich schätze an ihnen, dass sie nie aufgeben.
Aber was ich nicht mag ist, mit Amseln Auto zu fahren. Besser gesagt: gegen sie Auto zu fahren. Ich fahre, ei! Da hockt was im Straßengraben. Bleib sitzen! (Ich weiß schon, dass es nicht sitzenbleibt.) Amselmann fliegt los, natürlich ganz niedrig über der Straße, ich mache eine Vollbremsung und einen Schlenker. In der Dämmerung, bei Regen, nun gut ... Könnte ja sein, dass ich den Vogel erschrocken hab. Könnte ja sein, dass ich sowieso zu schnell gefahren bin (wie bei der Begegnung mit dem Fuchs) und die Amsel bei ein paar km/h meinerseits weniger es locker über die Straße geschafft hätte. So ist sie nur einer riesigen Fledermaus gleich knapp an meinen Scheinwerfern vorbeigewitscht, hat es aber geschafft. Vielleicht trifft mich eine Teilschuld - in dieser Konstellation ist also alles okay. Was sich aber am gestrigen Tag bei Sonnenlicht zutrug, war nicht mehr okay. Ich fahre, trälälä, plötzlich steigt neben mir ein Vogel auf. Fliegt neben mir her. Wir gucken uns an. Zieht immer mal wieder nach links, wieder zurück, will mich aber eindeutig abdrängen. Wo soll ich hin? Meine Fahrbahn haben andere festgelegt. Zieht nochmal so richtig nach links. Na ja, was soll ich tun? Der Klügere gibt nach ... Ich bremse und lasse die Amsel über die Straße. Sie hatte einen Blick in den Augen, den man nur von Filmen her kennt, in denen besessene Autofahrer die Wagen anderer Leute seitlich rammen und in den Abgrund befördern - total fanatisch! ICH. WILL. ÜBER. DIESE. STRASSE. Kein Respekt vor gar nichts, schon gar nicht vor den großen, tödlichen Metalltieren, die wir liebevoll Autos nennen. Wäre ich nur einen Tag lang Amsel, ich könnte sie vielleicht verstehen. So gelingt es mir nicht. Ein bisschen Bewunderung schwingt dennoch mit: Sie geben tatsächlich niemals auf! Bleibt nur, die Straßenränder immer nach fanatischen Straßenüberquerern im Tiefflug abzusuchen und ggf. abzubremsen, denn: Wer im Mai und Juni einen Vogel tötet, der tötet nicht nur ihn, sondern seine ganze Familie! ![]() Amsel im Ruhezustand - zurzeit ein seltener Anblick Wednesday, April 30. 2008... weltweit einmalig (?!)
Nachrichten können ausgesprochen skurril sein, also Radionachrichten. Hörte ich doch neulich erst von einem "grausamen Fund einer Babyleiche". Wie grausam so ein Fund wohl vorgehen kann? Und welche grausamen Taten genau begeht er?
Aber auch weitere Besonderheiten treten auf: Zum Beispiel dieses abartige Vergehen in Österreich, bei dem ein alter Mann namens Irgendwas Fritzl 24 Jahre lang seine Tochter im Kellerloch gefangenhielt, missbrauchte und mit ihr sechs Kinder zeugte. Aber muss man dazu sagen, dass dieser "Fall" (so nennt man es ja immer schön neutral) als "weltweit einzigartig" eingestuft wird?! Denn was ist daran so einzigartig? Was ist mit Marc Dutroux? Mit dem Russen, der zwei Mädels in seinem angeblichen Apfelkeller (Nachbarn dachten das) gefangenhielt? Mit dem Deutschen, der das von ihm gekidnappte Mädchen in einer Holzkiste "aufbewahrte" und sie nur zu Missbrauchszwecken herausließ - 100 Tage lang? Und so weiter und so fort ... Und was ist mit dem Entführer von Natascha Kampusch? Der "Fall" ist nicht einmal in Österreich einzigartig! Oder ist Inzest jetzt DIE Besonderheit daran? Um es mal von Frauenwarte zu sagen: Es ist egal, von wem ich eingesperrt und missbraucht werde. Der Vater von Elisabeth hatte es eben nur leichter, weil er eine Tochter hatte und Herr Priklopil musste erst umständlich ein Kind entführen, weil er eben keines hatte. Und wissen wir, was in irgendwelchen Dörfern in irgendwelchen riesigen Ländern abgeht? Oder in Städten? Oder bei unseren Nachbarn? Dass diese Grausigkeiten jetzt ans Tageslicht kommen, hat vielleicht mit der verschärften Medienpräsenz zu tun, jedoch ganz sicher nicht damit, wer oder was wir sind oder mit der Zeit, in der wir leben. Wenn bei uns ein Mann vor 150 Jahren mit seinem Kind weitere Kinder zeugte - es hätten wahrscheinlich nicht sehr viele Menschen mitbekommen. Und wenn sie es damals doch mitbekommen hätten, dann müssten es heutzutage auch Menschen mitbekommen. Aber weggesehen und Sonderbares nicht weiter beachtet hat man scheinbar schon immer, ob mit Absicht oder unbewusst. An diesem Fall ist demnach nichts einzigartig. Er beleuchtet nur einige der vielen negativen Seiten und Abgründe des menschlichen Wesens (bezüglich auf den Täter, aber auch alle, die wegsehen oder angeblich nichts bemerken), er kann sich jeden Tag wiederholen und wir sollten dazu stehen, dass wir als Menschen und Krone der Schöpfung so etwas tun (können), und uns nicht mit Phrasen davon distanzieren. Und wenn die Medien noch nicht ihre Nasen in mehr derartige "Fälle" hineingesteckt haben, dann waren entweder die Täter schlauer oder wir werden in kommenden Zeiten noch viel Widerliches vernehmen können. Monday, April 28. 2008Nistkastenrenovierung, die Zehnte
Nachdem man tagelang die Blaumeisen beim Heranschaffen von Haaren, Federn etc. beobachten konnte, tun es ihnen die Kohlmeisen nun gleich. Die Renovierungsarbeiten finden kein Ende, es wird gehämmert und ausgepolstert. Sie sind nie zufrieden und immer scheint es noch besser zu gehen. Ich bin echt gespannt wann/ob da das erste Ei reingelegt wird. Bei den Blaumonstern könnte es dieser Tage theoretisch schon soweit sein.
Was bei den Amseln abgeht, erscheint mir zunehmend undurchsichtig. Gibt es Eier/Küken oder haben sie es aufgegeben? Keine Ahnung ... Ein Weibchen war soeben auf dem Balkon und hat im Vogelplanschbecken (= riesiger Blumentopfuntersetzer aus Kunststoff - ideal und günstig!) ein ausgiebiges Bad genossen. Freut mich, dass sie ihre Badewanne endlich für sich entdeckt und angenommen haben. Friday, April 25. 2008HOLLAND: Oostvaardersplassen und Keukenhof
Im Folgenden einige Eindrücke vom Wochenende aus Holland. Die Fotos wurden mit meiner neuen, etwas professionelleren Canon-Ausrüstung geschossen. Ich selbst bilde mir natürlich ein, dass man den Unterschied auch sehen kann.
Im Naturschutzgebiet Oostvaardersplassen (ca. 40 km östlich von Amsterdam) hatten wir leider bleigrauen Himmel und schlechtes Licht. Vogelmäßig war dort viel los, wir konnten jede Menge Gänse und Enten, Bachstelze, Buchfink, Weidenmeise, Kohlmeise, Blaumeise, Amsel, Schwanzmeise beobachten, was bei dem "wilden" Hintergrund sicherlich gute Ergebnisse bedeutet hätte, aber leider sind nur die Fotos vom Zaunkönig was geworden. Gegensätzlich zum fast menschenleeren Naturschutzgebiet war am nächsten Tag der Keukenhof (Tuplengarten, ca. 80 km südwestlich von Amsterdam). Es war einfach unglaublich, so viele Menschen habe ich noch nie auf einem Fleckchen Erde gesehen (okay, vielleicht bei der EXPO 2000, aber da war das Terrain größer). Nicht gerade ergiebig für Vogelfotos, die gefiederten Freunde hielten sich zumeist weit oben in den Bäumen auf und sangen dafür umso lauter, um das Geplärre zu übertönen. Ein Rotkehlchen an der Autobahn könnte nicht lauter pfeifen. Dennoch sind ein paar ganz nette Blumen-Pics entstanden. Allgemein schockierend fand ich allerdings einmal mehr das Angebot in den Supermärkten, die Waren wirken um einiges frischer als bei uns. Und die Höhe ist, dass die Lebensmittelpreise viel niedriger sind, wir haben sonntags in einem (pseudo-)hippen Badeort eingekauft und dennoch nur ca. 30 Euro für Dinge bezahlt, die hier locker zehn bis 15 Euro mehr gekostet hätten. Was geht in Deutschalnd ab?! Frechheit!! Aber nun zum schönen Teil, den Bildchen: OOSTVAARDERSPLASSEN: ![]() ![]() ![]() KEUKENHOF: ![]() ![]() ![]() Erwähnte ich schon, dass es sehr voll war? ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Thursday, April 24. 2008Elstern elstern und ein fast überfahrener Fuchs
... aber nur FAST!
Am Wochenende hatten wir ja nachts im Wald Rehe gesehen. Als ich gestern gegen 23:30 Uhr nach Hause fuhr, passte ich in dieser Gegend also extra auf. Dann kommt eine scharfe Kurve (40 km/h) und eine Art Vorort vom Vorort, wo man bis vor ein paar Wochen 70 km/h fahren durfte, aber offensichtlich aus Lärmschutzgründen jetzt nur noch 50 km/h erlaubt sind. Aus nicht näher zu definierenden Gründen fuhr ich kurz vor dem Ortsschild ein wenig zu schnell, ca. 70 bis 80 km/h - und da kam natürlich der Fuchs, und das auch noch von links. Klein war er, wie ein Katze mit riesigem Kopf. Ich: Oh, Scheiße, zu schnell. Der Fuchs: Oh Scheiße, das kommt aber schnell. Der Fuchs hat sich selbst gerettet, indem er eine Vollbremsung machte und "zurückruderte". Ich habe ihm noch hinterhergehupt, aber wie Füchse nun überfahren werden, wurde mir dadurch immer noch nicht klar. Fast jeden Morgen sieht man Fuchs-Hackfleisch am Straßenrand. Doof sind die Tiere nicht. Auf der Gegenfahrbahn ist um die Zeit auch keiner. Also, Menschen: Wie bekommt ihr es hin, so viele Füchse zu überfahren?! Dann gab es heute Morgen lautes Amsel-Geplinke. Dazwischen auch ein Elster-Chuck - ALAAAAAAAAAAAAAAAAARM!!! Ich kam gerade zum richtigen Zeitpunkt, als das Amselpaar sich laut schimpfend auf die Elster stürzte. Blackbird Attack! Ausgefahrene Krallen, Flügelrascheln. Wegen ihrer doch leicht größenbedingten Überlegenheit war ein Ablassen der Elster sehr zweifelhaft. Ich hatte noch ein Kieselstein auf dem Balkon, den ich warf. Total dilettantisch ins Gebüsch. Aber die Elster gab das Elstern auf und floh, das Amselpaar blieb. Das Weibchen flitzte sofort in Richtung des in der Höhe angebrachten Neubaus - ob da jetzt wohl Eier drin sind? Sehr schlau war dieser Platz ja nicht gewählt - mir war von vornherein klar, dass da garantiert die Elster vorbeischaut, den Amseln wohl nicht. Und wieder einmal bleibt zu hoffen, dass alles gut geht. ALLEN NISTENDEN VIEL GLÜCK!! PS: Abends habe ich vom Balkon eine Katze beobachtet, die etwas Großes im Maul trug - mit größter Wahrscheinlichkeit doch etwas Totes. Hoffentlich kein Elternteil! IGITT!! Tuesday, April 22. 2008Blaumeisen: emsige Nestrenovierung und Balzfütterung
Nachdem ich das Nest vom letzten Jahr einfach im Nistkasten belassen habe, um zu sehen, was passiert, kann ich nun beobachten, dass der Kasten scheinbar noch angenommen wird. Es wurde ein wenig geklopft und gehämmert und seit Tagen werden Federn und Tierhaare zur Auspolsterung herbeigeschafft.
Vorhin konnte ich auch die (sehr niedliche) Balzfütterung beobachten. Napoleon hat dazu Insekten und Co. herangeschafft und Henriette angeboten. Dazu zittern beide mit den Flügeln und wenn sie das Leckerli annimmt, sieht es aus, als ob sie sich knutschen. Monday, April 14. 2008Tod, Trauer und Amselkrimi
Wusst' ich's doch! Nur leider nicht WIE, denn sonst hätte ich es ja verhindern können. Heute Morgen fand ich beide Küken - tot! Das eine ist beim Schlafen gestorben und lag noch im Nest - leider schon steif. Das andere lag unten, am Fuß des Strauchs, sah aber auch aus, als wäre es im Schlaf verstorben, danach nur irgendwie aus dem Nest gefallen (?)/geschubst worden. Angenagt waren beide nicht, es war also kein Räuber verantwortlich.
Wie kann das geschehen? Beide Eltern waren da. Die Küken wurden gestern Abend um 20:00 Uhr noch gefüttert, da sind wir nach Hause gekommen und haben es gesehen. Wirklich kalt war es vor einer Woche, so um den 6. April, das haben sie auch geschafft. Wo also war jetzt das Problem?? Ich werde es wohl nie erfahren. Bleibt nur zu hoffen, dass sie einen neuen Versuch wagen und dass sowohl sie als auch ich einmal das Wunder der Natur von Anfang bis Ende (gern erfolgreicher Ausflug von Amsel-Teenis aus dem Nest oder Tod durch Altersschwäche im Alter von 20 Jahren oder so ...) erleben können/kann. Buuuuuuuhuuuuuuuuuuuuuuuuu ... Saturday, April 12. 2008Schneller als gedacht
Heute morgen habe ich es entdeckt: das erste Amselküken! Es scheint sogar schon länger "da" zu sein, denn es hat schon Federn. Und, wie sich beim näheren Hinsehen herausstellte, auch einen Bruder/eine Schwester. Die Eltern füttern fleißig, alles scheint in bester Ordnung zu sein - bis auf den blattlosen Strauch, in dem sich das Nest befindet, vielleicht ... Nachts wird das ganze Szenario von der Außenbeleuchtung illuminiert, dann ganzen Tag und Abend rennen Leute vorbei ... Jetzt hoffe ich, dass sie die Kindheit im Nest und die Pubertät auf dem Erdboden bis zur Flugfähigkeit gut durchstehen, ohne dass ein sie köpfender Marder vorbeikommt!
Und hier sind die beiden Neuankömmlinge: ![]() Copyright/taken by Carnifex Thursday, April 10. 2008Jetzt geht's los!
Meisen zerren an Hundehaaren und schaffen sie in Nistkästen, Amselherren führen im Rahmen eines Ablenkungsmanövers seltsame Tänze mit Würmern im Schnabel auf. Was ist geschehen? Tatsache - Es wird genistet. Und das nicht zu knapp!
Die Amseln wollen es nach dem Desaster vom letzten Jahr scheinbar erst recht drauf ankommen lassen. Sie nisten direkt an Wegen - in Sträuchern, an denen noch kein Blatt hängt: ![]() ![]() VIEL GLÜCK!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
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